In der deutschen

AN DIE INTERNATIONALE AKADEMISCHE GEMEINDE

DIE GRIECHISCHEN UNIVERSITÄTEN IN GEFAHR

 In den letzten Jahren unterwirft eine Reformwelle in der Europäischen Union aber auch weltweit die Hochschulbildung dem Dienst und der Logik der Marktwirtschaft. Die Hochschulbildung verwandelt sich allmählich von einem Staatsgut in ein Konsumgut für KonsumentInnen der finanzkräftigen Gesellschaftsschichten. Die universitäre Selbstverwaltung sowie die Autonomie der akademischen Prozeduren werden abgeschafft. Die Produktion und Aneignung von Wissen aber auch die Arbeitsbedingungen der akademischen Gemeinde gehorchen nun den Gesetzen der Privatwirtschaft, in der die Universitäten ihre Finanzierung suchen sollen.

Griechenland ist vielleicht das einzige Land der Europäischen Union in dem die Versuche diese „Reformen“ einzuleiten bisher gescheitert sind. Unter den wichtigsten Gründen für diesen Fehlschlag zählen der vehemente Widerspruch der griechischen Gesellschaft und die griechische  Verfassung. Letzere sieht vor, dass die Hochschulbildung ausschließlich von staatlichen, gänzlich selbstverwaltete und vom Staat finanzierte Institutionen geführt wird.

Der geltende institutionelle Rahmen der Universitäten, das Ergebnis von Kämpfen seitens der Universitätslehrer und der Studenten vor und nach der Militärdiktatur (1967-1974) sieht ihre Selbstverwaltung durch von der Universitätsgemeinde gewählte Grämien vor. Obwohl die Universitätsgemeinde in  spektakulärer Weise zu der Entwicklung der Hochschulbildung beigetragen hat, haben die Unterfinanzierung, die  erstickende Staatskontrolle, sowie manche unmäßige Umsetzung des Gesetzes und eine nicht akademische Praktik seitens der Universitätsgemeinde, die Reform der Hochschulbildung dringend notwendig gemacht.

Die jetzige Regierung versucht eilig die Hochschulbildung auf radikale Weise umzugestalten. Unter dem Vorwand der Verbesserung „der Qualität der Bildung“ und ihrer Harmonisierung mit den „internationalen akademischen Vorbildern“,  treibt die Regierung das Gegenleistungsprinzip in der Hochschulbildung voran. Gleichzeitig setzt sie auf drastische Weise die Staatsausgaben für die Bildung ab, die schon zu den niedrigsten in der EU zählen, sowie die Einstellungen von Lehrkräften. Sie beruft sich auf die Klausel „eine Einstellung für zehn Pensionierungen“ was sich natürlich als katastrophal für die Entstehung und Erneuerung des wissenschaftlichen Wissens und für die Lehre erweist.

Die Vorschläge der Regierung umgehen die konstitutionellen Pflichten des Staates gegenüber der Staatsuniversität und schaffen ihren akademischen Charakter ab.

• Die Selbstverwaltung der Universitäten wird umgangen. Die gewählten administrativen Gremien werden von „Räten“ ersetzt, die in absentia der Universitätsgemeinde ausgewählt und funktionieren werden.

• Die Zukunft der in der Peripherie liegenden Universitäten sowie der Universitätsinstitute, die sogenannte „nicht kommerzielle“ Wissenschaftszweige kultivieren, zeichnet sich dunkel ab.

• Die Rolle der Universitätslehrer als Staatsdiener wird abgebaut. Die geltende einheitliche Lohnliste wird abgeschafft und es werden personenbezogene Löhne je nach „Effizienz“ eingeführt, während in den niedrigeren Rangstufen die unsicheren Arbeitsformen eingeführt werden.

• Die Hochschulbildung wird erneut als „Ausbildung“ verstanden und zusammen mit der Forschung in Dienstleistung umgewandelt.

Die Regierungsvorschläge sind von der Universitätsgemeinde abgelehnt worden. Die Rektorenkonferenz des Landes, beinahe alle  Universitätsräte des Landes haben die Regierung öffentlich aufgefordert, die Vorschläge zurückzuziehen und haben ihrerseits Vorschläge für die eine grundlegende Lösung der Probleme der griechischen Universitäten vorgelegt. Trotzdem schreitet die Regierung mit ihren Reformen voran, abgesehen davon, daß sie damit mit der Gesamtheit der Universitätsprofessoren in Konflikt gerät.

Wir bitten unsere Kollegen der internationalen akademischen Gemeinde, die die Folgen solcher Reformen durchmachen, um ihre Unterstützung in unserem Kampf für die Verteidigung der staatsfinanzierten Erziehung. Wir kämpfen zusammen mit unseren englischen, französischen, holländischen, italienischen, spanischen, deutschen und anderen Kollegen für den Respekt der akademischen Traditionen der europäischen universitas.

Wir bitten Sie, die folgende Petition mit ihrem Namen und ihrem akademischen Grad zu unterschreiben, an die Initiative der griechischen Universitätsprofessoren, an die Initiative griechischer akademischer Lehrer europeanuniversitas@gmail.com zu schicken).

Die Unterstützung der internationalen akademischen Gemeinde wird sowohl für die kommenden Entwicklungen in den  griechischen Universitäten als auch für die gesamteuropäische Hochschulbildung von Bedeutung sein.

Die Initiative griechischer Universitätsprofessoren

savegreekacademia.wordpress.com

https://petitiononline.securesites.com/GRUNIV/

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 ZUR UNTERSTÜTZUNG DER HOCHSCHULBILDUNG IN GRIECHENLAND

(DEFENDING HIGHER EDUCATION IN GREECE)

 Wir, die diese Petition unterschreiben, drücken hiermit unsere Unterstützung gegenüber den griechischen Universitätsprofessoren aus, die sich der von der Regierung vorgeschlagenen Universitätsreform  widersetzen – einer Reform die Griechenland jegliche Perspektive auf Forschung und Lehre beraubt und die einen weiteren Schlag gegen die hart geprüfte griechische Gesellschaft und Wirtschaft bedeutet.

Jegliches Reformverfahren der Universitäten soll die Ansichten der akademischen Gemeinde ernsthaft in Betracht ziehen. Wir wissen, dass die große Mehrheit der Universitätsräte in Griechenland und die Rektorenkonferenz der griechischen Universitäten öffentlich ihren Widerspruch zu den Vorschlägen des Staates zum Ausdruck gebracht haben.

Wir bitten den griechischen Premierminister Georg A. Papandreou und die griechische Bildungsministerin Anna Diamantopoulou

(1) Den Gesetzentwurf mit der geplanten Reformausrichtung nicht zur Abstimmung vorzulegen. Diese Ausrichtung hat schon vernichtende Folgen überall dort gehabt, wo ähnliche Gesetze verabschiedet worden sind.

(2) Eine richtige Diskussion mit den Universitätsräten anzustreben, mit dem Ziel, die von der Konstitution gesicherte Selbstverwaltung der Universitäten, die öffentliche Finanzierung der Universitäten und den Respekt vor der akademischen Tradition Europas zu sichern.

https://petitiononline.securesites.com/GRUNIV/synSAbCdkmNB.cgi

 

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